Wie sind soziale Dienstleister, ihre Mitarbeitenden und ihre Nutzerinnen und Nutzer von der Corona-Pandemie betroffen

Geförderte Institution: Zentrum für Evaluation und Politikberatung (ZEP)


Am Projekt beteiligte Wissenschaftler*innen: Petra Kaps, Frank Oschmiansky, Sandra Popp, Dr. Renate Reiter


Studentische Mitarbeiterinnen: Julia Berthold und Nicole Sherstyuk




Soziale Dienstleister erbringen soziale Leistungen nach den Sozialgesetzbüchern, verkörpern damit das für den bundesdeutschen Sozialstaat grundlegende Subsidiaritätsprinzip und sind wesentliche Akteure der Sozialpolitik in Deutschland. Das Vorhaben soll untersuchen, wie verschiedene Gruppen sozialer Dienstleister von der Corona-Pandemie betroffen sind, wie sie ihre Leistungen während der Pandemie unter veränderten Bedingungen erbringen und sie an diese anpassen sowie welche Unterstützung sie dabei benötigen. Zudem soll untersucht werden, welche staatlichen Unterstützungsleistungen zur Verfügung stehen, wie diese wirken und welche Anpassungen oder Weiterentwicklungen hier notwendig sind. Im Rahmen des Vorhabens werden dazu verschiedene Dienstleistungsformen unterschieden:

Dienstleistungen, die a) als Hilfe- und Unterstützungsleistung im Bereich des Wohnens (z.B. Notunterkünfte der Wohnungslosenhilfe nach SGB XII, betreutes Wohnen im Rahmen der Eingliederungshilfe nach SGB IX, Frauenhäuser nach SGB II/XII), b) in Form von Einzel- oder Gruppenmaßnahmen in den Bereichen Arbeit, Weiterbildung und Gesundheit (z.B. Weiterbildungs- oder Aktivierungsleistungen nach SGB II/III, WfbM nach SGB IX, psychosoziale Betreuung nach SGB II) oder c) als individuelle Beratungen in diversen Lebenslagen (z.B. Schuldnerberatung, Suchtberatung nach SGB XII, rechtliche Betreuung nach BGB, Weiterbildungsberatung nach SGB II/III) erbracht werden.

Diese Unterscheidung folgt der analytischen Herleitung der Fragestellung, die davon ausgeht, dass Dienstleistungen in diesen drei Formen in funktional unterschiedlicher Weise von den Kontaktbeschränkungen und weiteren Regeln des Infektionsschutzes betroffen sind und die Dienstleister deshalb in unterschiedlicher Weise auf die Herausforderungen durch diese Regeln reagieren können und müssen. So kann individuelle Beratung von face-to-face auf telefonische oder Videoberatung umgestellt werden, während Gruppenmaßnahmen schwerer auf solche Formate umzustellen sind oder auch Anwesenheit erfordern. Im Bereich des Wohnens stellt der Infektionsschutz wieder andere Herausforderungen. Zugleich sind die sozialen Dienstleister in der Regel darauf angewiesen, mit Akteuren der Sozial- und Arbeitsverwaltung zusammenzuarbeiten. Auch hier lassen sich je nach Form der Dienstleistung unterschiedliche Herausforderungen erwarten, die untersucht werden sollen.

Aus den empirischen Erkenntnissen sollen Handlungsempfehlungen für die Politik abgeleitet werden.

Publikationen

Petra Kaps Renate Reiter Frank Oschmiansky Sandra Popp und Julia Berthold (2022): Social services in times of pandemic – Analysing the German welfare state's measures to safeguard its basic social infrastructure. Zeitschrift für Sozialreform (68)1, S. 1-27. https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/zsr-2022-0004/pdf

Petra Kaps , Renate Reiter , Frank Oschmiansky und Sandra Popp (2022): Digitalisierung als Herausforderung für die Governance sozialer Dienstleistungen – das Beispiel der Sozialen Schuldnerberatung. Zeitschrift für Sozialreform (68)4, S. 299 ff.. https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/zsr-2022-0012/html

Kaps, Petra / Reiter, Renate / Oschmiansky, Frank und Popp, Sandra (unter Mitarbeit von Berthold, Julia und Sherstyuk, Nicole). 2021. Wie sind soziale Dienstleister und ihre Nutzenden von der COVID-19-Pandemie betroffen? Wie nutzen die Dienstleister die staatlichen Unterstützungsleistungen? Endbericht zum Forschungsprojekt. Forschungsprojekt im Rahmen des „Fördernetzwerks Interdisziplinäre Sozialforschung“ (FIS) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. ZEP – Zentrum für Evaluation und Politikberatung. Berlin.

Kaps, Petra / Reiter, Renate / Oschmiansky, Frank und Popp, Sandra. 2021. Wie sind soziale Dienstleister von der COVID-19-Pandemie betroffen und wie nutzen sie die staatlichen Unterstützungsleistungen. Zwischenbericht vom 10.03.2021 zum Forschungsprojekt „Wie sind soziale Dienstleister, ihre Mitarbeitenden und ihre Nutzenden von der Corona-Pandemie betroffen und wie wirken die sozialpolitischen Unterstützungsleistungen?“. ZEP – Zentrum für Evaluation und Politikberatung. Berlin.

Vorträge

Dr. Renate Reiter (2022): "Digitalisierung als Herausforderung für soziale Dienstleister, ihre Nutzenden und den unterstützenden Sozialstaat – Bericht aus zwei Forschungsprojekten" Mit dem Vortrag auf der digitalen Veranstaltung „Konsequenzen der Digitalisierung für wohnungslose Menschen“ der Diakonie in Niedersachsen & EFWE – Evangelischer Fachverband Wohnung und Existenzsicherung e.V. am 16.02.2022  wurden die Konsequenzen der Digitalisierung für wohnungslose Menschen und Menschen in prekären Lebenssituationen erörtert und Konsequenzen für den Sozialstaat diskutiert.

Petra Kaps (2022): "Auswirkungen der Pandemie auf die Dienstleistungserbringung – Videokommunikation, Work-Life-Balance. Ergebnisse aus aktuellen Forschungsprojekten des ZEP". Mit dem Vortrag auf der 14. gemeinsamen Fachtagung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration und der Regionaldirektion Hessen unter Beteiligung des Hessischen Städtetags und des Hessischen Landkreistags mit den Leitungen bzw. Geschäftsführungen der hessischen Jobcenter am 30.05.2022 wurden Ergebnisse des Projektes zu  Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Leistungserbringung von Jobcentern und sozialen Dienstleistern und Herausforderungen für die Organisation von Arbeitsprozessen in Folge der Digitalisierung von Dienstleistungen vorgestellt und diskutiert.

Dr. Renate Reiter (2021): "Wie kann Schuldnerberatung mit den Herausforderungen in und nach der Corona-Pandemie umgehen? Befunde aus dem Forschungsprojekt „Wie sind soziale Dienstleister, ihre Mitarbeitenden und Nutzenden von der Corona-Pandemie betroffen und wie wirken die sozialpolitischen Unterstützungsleistungen?“. Im Vortrag beim digitalen Fachforum des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge unter dem Titel „Fachliche und sozialpolitische Entwicklungen in der Schuldnerberatung – Forum Schuldnerberatung 2021: Der Mensch hinter den Schulden“ am 11./12.11.2021 wurden die Ergebnisse der gleichnamigen Studie speziell für den Bereich der Sozialen Schuldnerberatung aufbereitet und präsentiert.

Petra Kaps (2022): "How did Street-Level Organizations, that are delivering social services, respond to the Corona pandemic? And what does this mean for their management after the crisis? A report from Germany." Der Vortrag wurde auf der 4. Street-Level Bureaucracy Conference am 15.06.2022 in Kopenhagen gehalten. Er stellt Coping-Mechanismen von Street Level Organisationen und ihren Mitarbeitenden im Umgang mit den Effekten der Corona-Pandemie vor. Dabei wird zwischen individuellen Reaktionsmustern und Mustern auf der Ebene der Organisationen unterschieden. Mit Bezug auf einen konzeptionellen Text von Evelyn Brodkin (2021) werden dabei Muster der Anpassung, der Innovation und des Widerstandes unterschieden.