sozialpolitikblog
Zwei Hände umfassen sorgend die Hand einer anderen Person.
sozialpolitikblog-Gespräch 12.10.2023

„Die Lebenswirklichkeit pflegender Angehöriger ernst nehmen“

Wer Familienmitglieder oder Freund*innen pflegt, trägt hohe finanzielle und berufliche Kosten, sagt Dr. Ulrike Ehrlich vom Deutschen Zentrum für Altersfragen. Im Interview mit sozialpolitikblog spricht sie über den Vereinbarkeitskonflikt zwischen Erwerbsarbeit und Pflege und welche Maßnahmen Pflegende in Zukunft unterstützen können.


Interview: Johanna Ritter


Es wird aktuell viel über Pflegeheime berichtet. In Deutschland wird die Mehrheit der Pflegebedürftigen jedoch zuhause gepflegt, meist von Angehörigen. Wie viele Menschen pflegen ihre Familienmitglieder, Partner*innen oder Freund*innen und was ist über sie bekannt?


Ja genau, die Mehrheit der Pflegebedürftigen wird zu Hause gepflegt. Im Jahr 2021 waren circa fünf Millionen Menschen in Deutschland im Sinne des Sozialversicherungsgesetzes pflegebedürftig und erhielten Leistungen aus der Pflegeversicherung. Davon wurden 84 Prozent, also circa 4,2 Millionen Menschen, zuhause gepflegt. Wie viele An- und Zugehörige unterstützen und pflegen, ist aus dieser Zahl allerdings nicht so einfach abzuleiten. So können pflegebedürftige Personen, die zu Hause leben, durch einzelne, aber auch durch mehrere An- und Zugehörige, versorgt werden, zusammen mit oder alleinig durch ambulante Dienste. Es ist davon auszugehen, dass sehr viel mehr als die 4,2 Millionen Menschen zu Hause unterstützt oder gepflegt werden, die keine Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten und daher nicht in die Statistik einfließen. Auf Basis des Deutschen Alterssurveys haben im Winter 2020/21 17 Prozent der Befragten angegeben, dass sie Personen aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes privat oder ehrenamtlich betreuen oder pflegen oder ihnen regelmäßig Hilfe leisten. Hochgerechnet auf die Bevölkerung, die sich in der zweiten Lebenshälfte befindet, sind das in etwa 6,8 Millionen Menschen.


Was weißt du aus deiner Forschung über die Lebenssituation dieser Menschen, die zu Hause pflegen?


Ein zentrales Ergebnis ist, dass Personen, die unterstützen und pflegen mehrheitlich im erwerbsfähigen Alter sind. Tatsächlich steigt der Anteil der Pflegenden, die Erwerbsarbeit und Pflege zuhause vereinbaren müssen. Um die Jahrtausendwende lag die Erwerbsbeteiligung pflegender Frauen in etwa bei 50 Prozent, die der pflegenden Männer bei 60 Prozent. Aktuell sind in etwa 70 Prozent der Unterstützungs- und Pflegepersonen, Frauen wie Männer, erwerbstätig.


Wie sieht es mit dem Geschlechterverhältnis bei den familiär Pflegenden aus?

Wenig überraschend existiert ein Gender Care Gap auch in der Angehörigenpflege. Etwa 60 Prozent der Pflegenden sind Frauen, 40 Prozent Männer. Frauen pflegen aber nicht nur häufiger als Männer, sie tun dies auch in einem höheren zeitlichen Umfang und auch über einen längeren Zeitraum.


Was ändert sich im Leben, wenn Menschen anfangen, An- oder Zugehörige zu pflegen?


Ich forsche vor allen Dingen zu der Frage, ob Unterstützungs- und Pflegetätigkeiten mit einer Erwerbstätigkeit vereinbar sind. Die Erwerbsbeteiligung von pflegenden Angehörigen liegt noch immer unterhalb der Erwerbsbeteiligung von Personen, die nicht unterstützen und pflegen. Das deutet auf einen Vereinbarkeitskonflikt hin. In meiner Forschung konnte ich zeigen, dass in Vollzeit beschäftigte Frauen, die bis zu zwei Stunden an einem Werktag pflegen, eher in eine Teilzeitbeschäftigung wechseln als Frauen, die nicht pflegen. In Vollzeit als auch in Teilzeit beschäftigte Frauen, die drei und mehr Stunden an einem Werktag pflegen, tendieren dazu ihre Erwerbstätigkeit zu unterbrechen oder ganz aufzugeben. Pflege in einem geringen zeitlichen Umfang ist also am ehesten mit einer Teilzeitbeschäftigung vereinbar, Pflege in einem hohen zeitlichen Umfang ist kaum mit irgendeiner Form von Erwerbsarbeit vereinbar. In meiner Forschung habe ich allerdings auch herausgefunden, dass insbesondere pflegende Frauen aus Haushalten mit hohen Einkommen und pflegende Frauen, die verheiratet sind, ihr Erwerbsverhalten eher verändern, also weniger oder gar nicht arbeiten. Das spricht dafür, dass der finanzielle Hintergrund als auch die soziale Absicherung über eine Ehe entscheidend sind, um den Vereinbarkeitskonflikt zu reduzieren oder aufzulösen.


Mit welchen Konsequenzen?


Die Folgen sind finanzielle und berufliche Kosten für die Pflegenden: Einkommenseinbußen, geringeren Karrierechancen und einer geringeren Rente. Darüber hinaus können sich finanzielle Abhängigkeitsverhältnisse auf Haushalts- oder Paarebene verstärken. Diejenigen, die den Vereinbarkeitskonflikt nicht reduzieren oder auflösen können, zum Beispiel Personen aus niedrigeren Einkommensgruppen, müssen mit gesundheitlichen Kosten infolge der Doppelbelastung rechnen.


Du hast mit deinen Kolleginnen auch zum Thema Wohlbefinden von Pflegenden geforscht. Wie geht es denn pflegenden An- und Zugehörigen?


Wir haben analysiert, welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf das Wohlbefinden von Pflegenden hatte. Der Anteil von pflegenden Angehörigen, insbesondere Frauen, mit depressiven Symptomen oder mit Einsamkeitsgefühlen hat in der ersten Pandemiewelle zugenommen. In der zweiten Pandemiewelle, also im Winter 2020/21, sind die Anteile wieder auf das Niveau von vor der Pandemie zurückgegangen. Das könnte einerseits darauf zurückzuführen sein, dass Unterstützungsnetzwerke in der zweiten Pandemiewelle wieder ähnlich zum Einsatz kommen konnten wie vor der Pandemie. Oder es ist ein Gewöhnungseffekt an die pandemische Situation eingetreten.


Wozu mangelt es noch an Daten? Was wissen wir nicht über die Situation der familiär Pflegenden?


Mit dem Deutschen Alterssurvey ist bereits eine gute Datenbasis vorhanden. Seit der ersten Befragungswelle im Jahr 1996 werden unterstützende und pflegende Personen erfasst. Für mehrere Befragungswellen wissen wir nun bereits, wer wen unterstützt und pflegt und wie intensiv. Wir erfassen, ob die hilfe- oder pflegebedürftige Person, die unterstützt wird, Leistungen aus der Pflegeversicherung bekommt und ob sich die pflegende Person durch die Pflegesituation belastet fühlt. Wir versuchen stetig, die Datenlage über die Situation der Pflegenden zu verbessern. Neuerdings erfassen wir, ob die Person, die gepflegt wird, an Demenz erkrankt ist. Darüber hinaus fragen wir danach, ob gesetzliche Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in Anspruch genommen werden und falls nein, warum nicht. Außerdem erfassen wir künftig, ob und welches Unterstützungsnetzwerk die Pflegenden haben. Also, wer noch in die Unterstützung und Pflege mit einbezogen wird: Andere Familienmitglieder, ambulante Dienste oder eine 24-Stunden-Pflegekraft?


Welche Maßnahmen sollen pflegende Angehörige aktuell unterstützen?


Um zum Beispiel Pflege und Beruf besser zu vereinbaren, werden oftmals die Pflegezeit und die Familienpflegezeit als unterstützende Maßnahmen genannt. Beide Maßnahmen sollen es erwerbstätigen pflegenden Angehörigen ermöglichen, sich für bis zu zwei Jahre gänzlich oder teilweise von der Erwerbsarbeit freistellen zu lassen, um zu pflegen. Diese Maßnahmen werden aber kaum in Anspruch genommen. Wir haben zum Beispiel auf Basis der Daten des Deutschen Alterssurveys herausgefunden, dass im Winter 2020/21 nur ein Prozent der pflegenden Angehörigen die Pflegezeit in Anspruch genommen hat. Die Familienpflegezeit nahm niemand in Anspruch. Beide Maßnahmen können auch mit einem zinslosen Darlehen gekoppelt werden, das den hälftigen Verdienstausfall kompensiert. Zwischen 2015 und 2019 haben aber nur ungefähr 920 Menschen dieses zinslose Darlehen erhalten. Die derzeitigen Regelungen scheinen also nicht den Bedürfnissen der erwerbstätigen pflegenden Angehörigen zu entsprechen. Da gibt es noch einiges zu tun.


Was wären denn dann wirkungsvollere Maßnahmen, um pflegende An- und Zugehörige zu unterstützen?


Zunächst sollte die maximale Dauer, die eine Pflegezeit oder Familienpflegezeit in Anspruch genommen werden können, überdacht werden. Personen, die im Jahr 2019 im Sinne des Sozialversicherungsgesetzes pflegebedürftig geworden sind, sind dies im Durchschnitt für sechs Jahre. Die Pflegezeit und die Familienpflegezeit sind aber zusammen auf maximal zwei Jahre angelegt. Das entspricht also nicht der Lebenswirklichkeit vieler pflegender Angehöriger. Im Koalitionsvertrag zwischen SPD, Grünen und FDP wurde eine Entgeltersatzleistung, ähnlich wie das Elterngeld, vereinbart. Eine solche Leistung kann eher eine finanzielle Stabilität garantieren als das aktuell gewährte zinslose Darlehen. Dann könnten sich eventuell auch mehr pflegende Angehörige aus unteren Einkommensgruppen leisten, den Vereinbarkeitskonflikt zu reduzieren.


Wir befinden uns mitten in einem demografischen Wandel, in dem immer mehr Menschen Pflege benötigen, andererseits aber weniger junge Menschen da sind, um diese Pflege zu leisten. Was heißt das für die Zukunft der familiären Pflege?


Die familiäre Pflege ist bereits unter Druck und sie wird es in Zukunft noch viel stärker sein. Mit der raschen Alterung der Gesellschaft wird der Bedarf an Gesundheits- und Pflegedienstleistungen stark zunehmen. So wie die Pflegeversicherung aktuell ausgestaltet ist und so wie es um den professionellen Pflegesektor bestellt ist, wird die Familie weiterhin die zentrale Unterstützungssäule bleiben. An- und Zugehörige sind aber auch als Erwerbstätige gefordert. Um den Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel entgegenzuwirken und um das beitragsbasierten Rentenversicherungssystem aufrecht zu erhalten, sollen immer mehr Menschen, insbesondere Frauen, in Vollzeit arbeiten. Doch wie soll das gehen? Eine gute Pflege leisten, damit es den Lieben bestmöglich gut geht und gleichzeitig noch die Wirtschaft und das Rentensystem aufrechterhalten? Und dabei auch noch gesund bleiben?


Welche Ansätze gibt es denn, die Lösungen aufzeigen?


Eine Möglichkeit, um die Situation zu verbessern, wäre, Pflegeaufgaben gerechter zwischen Frauen und Männern zu verteilen. Männer müssten häufiger und intensiver Pflegeaufgaben übernehmen, um Frauen zu entlasten. Denn die beruflichen, finanziellen und gesundheitlichen Konsequenzen der Pflege tragen mehrheitlich die Frauen. Darüber hinaus ist es unerlässlich, sowohl die Pflegezeit als auch die Familienpflegezeit weiterzuentwickeln, einschließlich der finanziellen Absicherung während dieser Zeiten. Um pflegende Angehörige zu entlasten und um sie bei der Vereinbarkeit zu unterstützen, müsste aber auch das Angebot an professionellen Pflegedienstleistungen ausgeweitet werden – in Zeiten des anhaltenden Pflegenotstandes aber doch eher unwahrscheinlich. Wir müssen Fürsorgetätigkeiten und Erwerbsarbeit stärker zusammen denken: Alternative Arbeitszeitmodelle könnten das ermöglichen, zum Beispiel die 32-Stunden-Woche für Männer und Frauen.


Ulrike Ehrlich 2023, „Die Lebenswirklichkeit pflegender Angehöriger ernst nehmen“, in: sozialpolitikblog, 12.10.2023, https://difis.org/blog/?blog=81

Zurück zur Übersicht

Weitere Beiträge zum Thema

Schild auf einer Demo mit der Aufschrift "Nie wieder ist jetzt"
Bettina Kohlrausch, 11.04.2024
Soziale Desintegration: Nährboden für Rechtsextremismus
Die Enthüllungen von Correctiv verdeutlichten die tiefsitzenden Wurzeln rechter Ideologien in der deutschen Gesellschaft. Doch während die Gegendemonstrationen ein Zeichen der Hoffnung setzen, bleibt die Frage nach den sozialpolitischen Ursachen für rechtsextreme Einstellungen zentral. Über die komplexen Zusammenhänge zwischen Anerkennungsverlust, Arbeitswelt und dem Aufstieg des Rechtsextremismus spricht Bettina Kohlrausch, Direktorin des WSI, im Interview.
weiterlesen
Eine weiße, analoge Wanduhr im Licht der Sonne.
Josef Hilbert, Gerhard Naegele, Hans-Peter Klös, 27.03.2024
Digitalisierung und Kommunalisierung in der Pflegeversorgung
In der Pflegeversorgung gibt es zahlreiche Herausforderungen. Während die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, wächst die Zahl der Pflegekräfte und familiär Pflegender nicht an. Welche Potentiale neue Technologien in Kombination mit kommunaler Versorgung bieten können, erkunden die Autoren dieses Beitrags.
weiterlesen
In einem Park sitzen Menschen unterschiedlichen Alters auf Bänken. Menschen mit Kinderwagen gehen vorbei. Alle sind aus der Ferne von hinten zu sehen.
Gerhard Bäcker, 13.03.2024
Was bringt das Rentenpaket II?
Die Bundesregierung hat sich auf eine Stabilisierung des Rentenniveaus geeinigt. Keine Selbstverständlichkeit, sagt Gerhard Bäcker, Senior Professor am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen im Interview. Auch die Folgen des Generationenkapitals und der Beitragserhöhung schätzt er im Gespräch mit sozialpolitikblog ein.
weiterlesen
Bunte Spiel-Bauklötze in den Farben rot, orange, grün, rosa, hellblau und gelb. Darauf stehen jeweils Zahlen.
Julia Jirmann, 29.02.2024
Das Ringen um Kinderfreibetrag und Kindergeld
Finanzminister Christian Lindner plant noch in diesem Jahr, die Kinderfreibeträge zu erhöhen, ohne dabei das Kindergeld erneut anzupassen. Damit würden einseitig Eltern mit höheren Einkommen entlastet. Das steht jedoch Vereinbarungen des Koalitionsvertrags entgegen. Verfassungsrechtlich wäre auch eine andere Lösung möglich, die wird aber noch zu wenig diskutiert.
weiterlesen
Beine zweier Personen, eine erwachsen, eine im Kindesalter, mit Gummistiefeln bekleidet in einer Pfütze springend.
Christian Gräfe, 22.02.2024
Familienleben im Grundsicherungsbezug
Familien, die mit dem Existenzminimum leben, begegnen im Alltag vielen Zwängen und erleben kritische Lebensphasen. Eine qualitative Studie beleuchtet die Lebenswelten von Familien in der Mindestsicherung und deren Strategien, Armutslagen zu verarbeiten. Fachkräfte in Jobcentern beeinflussen die Lebenssituation von Familien und müssen sich auf die Lebensumstände der Familien einstellen.
weiterlesen
Ein Stacheldraht in Nahaufnahme vor dem Sonnenuntergang.
Aladin El-Mafaalani, 15.02.2024
„Wir müssen Begriffe der Migration dekonstruieren“
Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) zur Migrationsforschung entsteht an der Universität Osnabrück. Es ist der erste in Deutschland, der sich mit Migration im engeren Sinne beschäftigt, sagt Prof. Aladin El-Mafaalani, der eins der Teilprojekte leitet. Im Interview spricht er über die Themen des SFB, interdisziplinäre Zusammenarbeit und das Verhältnis zur Sozialpolitikforschung.
weiterlesen
Ein Schrottplatz aus der Vogelperspektive
Ayodeji Stephen Akinnimi, 02.02.2024
Ohne Bleibeperspektive: Asylbewerber*innen aus Nigeria und Ghana suchen ihren Weg auf dem deutschen Arbeitsmarkt
Der Zugang von Migrant*innen zum Arbeitsmarkt wird durch ihren rechtlichen Status bestimmt. Wer keine Bleibeperspektive hat, ist auf den informellen Arbeitsmarkt angewiesen. Ohne soziale Absicherung, aber als Teil der globalen Erwerbsbevölkerung. Ethnographische Feldforschung verdeutlicht, dass es an der Zeit ist, diese Realität anzuerkennen.
weiterlesen
Porträtfoto von Franz-Xaver Kaufmann vor einer Bibliothek.
09.01.2024
Trauer um Franz-Xaver Kaufmann
Franz-Xaver Kaufmann war einer der Begründer der modernen Sozialpolitikforschung in Deutschland und hat diese von Beginn seines Wirkens an interdisziplinär verstanden und unter Nutzung der Vorgehensweisen und Wissensbestände etlicher Disziplinen betrieben. Am 7. Januar 2024 ist er im Alter von 91 Jahren in Bonn verstorben.
weiterlesen
Foto aneinander gelegter Gürtel deren Schnallen nach unten zeigen; die Gürtel haben verschiedene Farben.
Anne Lenze, 14.12.2023
„Wir müssen das gesellschaftliche Existenzminimum verteidigen“
Die geplante Erhöhung des Bürgergelds für 2024 kommt, darauf haben sich die Spitzen der Koalition geeinigt. Doch der Regelsatz liegt schon heute unter der existenzsichernden Grenze, sagt Prof. Anne Lenze von der Hochschule Darmstadt. Das habe nicht nur für Bürgergeldbezieher*innen Folgen, sondern für alle.
weiterlesen
Strickzeug aus bunter Wolle als Sinnbild für die Verwobenheit sozialer Kategorien aus intersektionaler Perspektive.
Katrin Menke, 30.11.2023
Intersektionale Sozialpolitik? Eine überfällige Perspektiverweiterung
Der Sozialstaat fängt soziale Ungleichheiten nicht nur ab, sondern bringt auch selbst welche hervor. Während feministische Perspektiven auf genderbezogene Ungleichheiten längst Teil sozialpolitischer Debatten und Analysen sind, steht ein intersektionaler Blick auf Sozialpolitik in Deutschland noch am Anfang. Ein Plädoyer für mehr Komplexität und Diversität.
weiterlesen
Mehrere leicht geöffnete Bücher in der Draufsicht fotografiert.
Wolfgang Schroeder, 16.11.2023
Weiter so für die Weiterbildung?
Der Bundestag hat ein Gesetz für die Reform der Weiterbildung beschlossen. Was sich dadurch für Betriebe und Beschäftigte verändert, was Interessenverbände an dem Gesetz kritisieren und ob die Reform Weiterbildung nachhaltig stärkt, diskutiert Prof. Dr. Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel.
weiterlesen
Ein Esstisch in einem Puppenhaus ist gedeckt.
Constanze Janda, 05.10.2023
Was bringt der Kompromiss bei der Kindergrundsicherung?
Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf für die Kinder­grundsicherung beschlossen. Was von dem großen sozial­politischen Vorhaben geblieben ist und ob künftig mehr Menschen die Leistung in Anspruch nehmen, darüber spricht Prof. Dr. Constanze Janda von der Deutschen Universität für Verwaltungs­wissenschaften Speyer im sozialpolitikblog-Gespräch.
weiterlesen
Ein Löwenjunges brüllt. Foto: iStock | xp33gt
Enzo Weber, 07.09.2023
„Die Generation Z revolutioniert die Arbeitswelt nicht“
Faul und fordernd – so wird die junge Generation und ihre Haltung zur Arbeit häufig beschrieben. Diese Zuschreibungen lassen sich nicht wissenschaftlich belegen, sagt Prof. Dr. Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Was die Generation Z auf dem Arbeitsmarkt verändert und vor welchen Herausforderungen sie steht, erläutert er im Gespräch mit sozialpolitikblog.
weiterlesen
Die Sonne geht zwischen zwei Gipfeln am Horizont auf.
Felix Heidenreich, 03.08.2023
Eine Sozialpolitik der Zuversicht
Elendsvermeidung durch Umverteilung von Geld ist wichtig. Doch im Sozialstaat sollten auch Zukunftsaussichten und Perspektiven umverteilt werden, sagt PD Dr. Felix Heidenreich, wissenschaftlicher Koordinator des Internationalen Zentrums für Kultur- und Technikforschung an der Universität Stuttgart im Gespräch mit sozialpolitikblog.
weiterlesen
Eine Person mit einer Landkarte in den Händen steht auf einer Serpentinenstraße zwischen grünen Wiesen, die am Meer mündet.
Dina Frommert, 06.07.2023
"Alterssicherung braucht empirische Forschung"
Dr. Dina Frommert hat am 1. Juli 2023 die Leitung der Abteilung Forschung und Entwicklung bei der Deutschen Rentenversicherung Bund übernommen. Im sozialpolitikblog-Gespräch äußert sie sich zu kurz- und langfristigen Herausforderungen für die Gesetzliche Rentenversicherung sowie Forschungsförderung und eigener Forschung.
weiterlesen
An einer hellen Steinwand hängt ein Glasschild mit der blauen Aufschrift "Deutsche Rentenversicherung". Links neben der Schrift ist ein Zeichen in Form von zwei Sprechblasen in gelb und blau.
Brigitte Loose, 01.06.2023
Das FNA - engagierte Forschungsförderung zu Fragen der Alterssicherung
Das Forschungsnetzwerk Alterssicherung (FNA) der Deutschen Rentenversicherung feierte 2021 sein 20-jähriges Jubiläum. Brigitte L. Loose ist die Leiterin des FNA und spricht über die Entstehung des Netzwerks, seine Rolle in der Sozialpolitikforschung, beteiligte Forschungsdisziplinen und Zukunftsperspektiven.
weiterlesen
Drei europäische Flaggen (blauer Hintergrund mit einem gelben Sternenkreis) wehen vor einem hohen Glasgebäude.
Hans-Peter Klös, 09.03.2023
Welche Zukunft für die Sozialpolitik der EU?
Die Krisen der heutigen Zeit verlangen Kommunikation zwischen Wissenschaft und Praxis. Hans-Peter Klös ist ehemaliger Geschäftsführer und Leiter Wissenschaft am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und widmete sich immer wieder Aufgaben der Wissenschafts­kommunikation und Politikberatung. Im sozialpolitikblog-Gespräch äußert er sich zu seiner Arbeit in verschiedenen Gremien und Kommissionen, der Notwendigkeit und den Herausforderungen der Wissenschafts­kommunikation, sowie zu dem Bericht der "High-Level-Group" des Expertengremiums der Europäischen Kommission mit dem Titel "The Future of Social Protection and of the Welfare State in the EU".
weiterlesen
Kritzeleien auf orangenem Grund. Links liegt frotal eine große Glühbirne auf der Zeichnung.
Julia Kropf, 02.03.2023
Sozialpolitikforschung braucht Wissenschafts­kommunikation!
In Zeiten von Corona, Krieg und Inflation braucht es nicht nur das Fachwissen von Experten zu Viren, Militär und Wirtschaft, sondern vor allem eine verständliche Kommu­nikation der wissen­schaft­lichen Erkenntnisse.
Julia Kropf ist Moderatorin an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik. Im sozialpolitikblog-Gespräch spricht sie über Wissenschafts­kommunikation in Krisenzeiten, ihre Bedeutung für die Sozialpolitik­forschung und warum Podcasts ein guter Weg sind, wissenschaftlichen Themen Gehör zu verschaffen.
weiterlesen
Eine Darstellung des Lebenszyklus in schwarzweiß durch ein Baby, einem kleinen Jungen, einem Mann mit Aktentasche und Telefon und einem alten Mann mit Gehstock und Hut.
Clemens Tesch-Römer, 16.02.2023
Späte Freiheit
"Das Älterwerden ist für viele angstbesetzt. Aber wir sollten auch an die positiven Seiten des Alters denken: an Gelassenheit, späte Freiheit, möglicherweise auch an die Weiterentwicklung in Richtung Weisheit." Im sozialpolitikblog-Gespräch berichtet Clemens Tesch-Römer aus der Alternsforschung, von Befunden des deutschen Alterssurvey und beleuchtet drängende Forschungsfragen.
weiterlesen
Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme einer Person, die von hinten fotografiert wurde und in einem dunklen Raum alleine vor einem Fenster steht und hinaufblickt.
Yvonne Wilke, 26.01.2023
"Es geht tatsächlich darum, ein, zwei gute Freunde oder Freundinnen um sich herum zu haben."
In diesem Interview mit Yvonne Wilke geht es rund um das Thema Einsamkeit, um die Arbeit des von ihr geleiteten Kompetenzzentrums Einsamkeit, um eine Einsamkeitspolitik und die Rolle von Sozialpolitik und Forschung zur Linderung von Einsamkeit.
weiterlesen
Eine Grafik von einem Mann, der vor blauem Hintergrund eine schwarze große Kugel, auf der ein $-Zeichen abgebildet ist, eine schwarze Steigung hinaufschiebt.
Ines Moers, 12.01.2023
„In Deutschland wird sehr gut zurückgezahlt, da können sich alle darauf verlassen“
In Deutschland nehmen aktuell 600.000 Menschen die Leistungen der Schuldnerberatungen in Anspruch. Die Gründe dafür reichen von Krankheit, über Trennung bis hin zur Arbeitslosigkeit. Ines Moers, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e.V. spricht im sozialpolitikblog-Gespräch über Schulden, die Schuldnerberatung und warum man sich so früh wie möglich Hilfe suchen sollte.
weiterlesen
Ein Pfleger mit Kittel, Haarhaube und Maske sitzt in einem dunklen Raum und schaut nach unten. Licht scheint auf ihn.
Heinz Rothgang, Thomas Kalwitzki, 15.12.2022
Mehr Reformbedarf als zuvor? – Pflegepolitische Zwischenbilanz der Ampel-Koalition
Im November 2021 wurde der Koalitionsvertrag der Ampel veröffentlicht, der Veränderungen in der Pflege ankündigte. Wie es ein Jahr später wirklich aussieht, wird in diesem Beitrag diskutiert.
weiterlesen
Unzählige Pillen in verschiedenen Farben und Formen.
David Gutensohn, 29.09.2022
Gesundheit ohne Gewinne
Warum müssen Kliniken und Pflegeheime profitabel sein? Wer die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessern will, muss umdenken. Unser Autor fordert eine radikale Reform: Ein Pflegesystem ohne Profit.
weiterlesen
Unzählige Kärtchen mit der Aufschrift "Option" in verschiedenen Variationen bilden einen Kreislauf.
Julia Bringmann, 28.07.2022
„Atmende Lebensläufe“ – mehr Zeit zum richtigen Zeitpunkt
Weg von der männlich konnotierten Norm des dreigeteilten Lebenslaufs ohne Erwerbsunterbrechungen hin zu einer selbstbestimmten und sozialverträglichen Gestaltung des Berufslebens: es gibt gute Gründe für einen Paradigmenwechsel in der Sozialpolitik. Was würde es brauchen, zeitlich und finanziell, um das für alle Bürger*innen möglich zu machen?
weiterlesen
Auf einem hellblauen Hintergrund steht die schwarze Aufschrift "Thank you nurses". Drum herum liegen rote Herzen aus Pappe und Schokolade.
Heinz Rothgang, 21.07.2022
Der (Stellen-)Wert der Pflege
Pflege geht uns alle an. Jeder kann bereits morgen auf Krankenhausbehandlung angewiesen sein, und zwei von drei Männern sowie vier von fünf Frauen werden in ihrem Leben pflegebedürftig werden. Aber schlägt sich das auch in einer entsprechenden Wertschätzung nieder? Und ist die Gesellschaft bereit, das zu tun, was getan werden muss, um gute Pflege in Zukunft sicherzustellen?
weiterlesen
Drei Schraubgläser sind mit Cent-Stücken gefüllt.
Simone Scherger, 02.06.2022
Mind the gap – die geschlechtsbezogene Rentenlücke: Ursachen und politische Maßnahmen
Zwischen den Renten von Frauen und Männern klafft eine deutliche Lücke. Im Jahr 2019 erhielten westdeutsche Frauen über alle Säulen der Altersabsicherung (gesetzlich, betrieblich, privat) hinweg 55 Prozent weniger Renteneinkommen als westdeutsche Männer, in Ostdeutschland betrug diese Lücke nur 23 Prozent.
weiterlesen
Ein Demonstrationsschild zeigt die bunte Aufschrift "Earth is more valuable than money" und eine aufgemalte Erdkugel.
Gerhard Timm (BAGFW), 02.06.2022
„Entscheidend wird sein, wie die Lasten verteilt werden“
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) gibt es mit Vorläufern seit fast 100 Jahren. Gerhard Timm ist seit 2009 Geschäftsführer der BAGFW. Im sozialpolitikblog-Gespräch redet er über den Klimaschutz, dessen Sozialverträglichkeit und die Erfolge und Schwierigkeiten, die den Wohlfahrtsverbänden auf dem Weg zur Klimaneutralität begegnen.
weiterlesen